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Fledermaus-Schutz

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Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen e.V. AKFSG

Wermelskirchen: Kartierung                        / 1 von 3

Auszug (mit freundlicher Genehmigung der Autoren und Herausgeber) aus der Veröffentlichung, sämtliche Rechte vorbehalten:

Dr. Henrike und Holger Körber, Andrea Will, Gerhard Hilverkus: Bestandsaufnahme der Fledermäuse im Raum Wermelskirchen (Bergisches Land), 1995

Das Gemeindegebiet

Das Gemeindegebiet von Wermelskirchen liegt im Rheinisch Bergischer Kreis und grenzt an die Städte Solingen, Remscheid, Hückeswagen, Kürten, Odenthal und Burscheid.

Wermelskirchen hat bis heute noch einen ländlichen Charakter. Immerhin sind 40 % der Fläche in landwirtschaftlicher Nutzung. Dabei ist die Landwirtschaft wegen der stark vernäßten Tallauen, der starken Hanglagen und der im allgemeinen reduzierten Ertragsfähigkeit der Böden erheblich eingeschränkt. 81,3 % der landwirtschaftlichen Flächen sind Dauergrünland mit Milchviehwirtschaft und 16,6% werden als Ackerland genutzt,0,6% sind Obstanbauflächen, bzw. Baumschulen und 1,5 % konnten nicht klassifiziert werden (Statistik der Stadt Wermelskirchen 1991).

Der Wald nimmt mit 39,4 % die zweitgrößte Fläche ein. Mit einem Nadelholzanteil von durchschnitlich 40% (im städtischen Forst 44%) haben die Wälder ihren natürlich Charakter weitgehend verloren.

Das Bergische Land weist niedrige Temperaturen und reichlich Niederschläge auf. Sie sind Folge der aus südwest / westlicher Richtung von dem niederrheinischen Tiefland kommenden Luftmassen, die an der nordwestlichen Abdachung des Bergischen Landes aufsteigen müssen und dort abregnen. Im Jahresmittel fallen 1300 mm Regen. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 8°C, wobei die Temperaturen im Januar zwischen 0-1 °C, im Juli zwischen 16-17°C liegen. Die mittlere Luftfeuchte beträgt 78,5 % (Klimadaten der Klimastation Solingen).

Wermelskirchen ist von Talsperen umgeben (Große Dhünntalsperre, Sengbachtalsperre, Eschbachtalsperre). Diese großen Wasserflächen sind neben unzähligen kleinen Teichen (an immerhin ca. 500 Quellen im Gemeindegebiet) potentielle Reviere für Fledermäuse.

Bislang war Wermelskirchen durch seinen an der Straße nach Köln entstandenen Stadtkern und viele ländliche Weilersiedlungen gekennzeichnet. Im Zuge zunehmenden Bauwahns (Investitions- und Wohnungsbauerleichterunggesetz) werden nun jedoch immer stärker Bauvorhaben in den Ortsrandlagen und im Umkreis von Hofschaften verwirklicht, so daß diese kulturell gewachsenen Kleineinheiten zerbrechen. Biotope wie Obstwiesen, Hecken und Hohlwege werden dabei rücksichtslos zerstört. Die Landschaft wird durch den Bau von Eigenheimen und flächenintensiven Betriebsanlagen vollständig zersiedelt.

Material und Methoden

Detektorstudien

Fledermäuse können mit verschiedenen Hilfsmitteln, Bat-Detektoren und Handscheinwerfern, während ihrer nächtlichen Jagdflüge von Ende März bis Ende Oktober (je nach Witterung) beobachtet werden.

Von uns wurde ein ,,Bat"-Detektor der Firma Peterson ,,,Dl 00", eingesetzt. Dieses Gerät arbeitet nach dem heterodynamischen Prinzip, wobei die Frequenz grob mit einem Knopf einstellbar ist. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Signale auf ein Tonband aufzuzeichnen.

Bat-Detektoren wandeln die von den Fledermäusen ausgesandten Ultraschallsignale in für uns hörbare Laute um. Allerdings zeigen nahverwandte Fledermausarten, wie z.B. Teich- und Wasserfledermaus, ähnliche Frequenz- und Lautmuster, die mit dem menschlichen Ohr praktisch kaum differenzierbar sind. Von uns wurde daher eine Bearbeitung dieser Signale mittels Computer entwickelt, die eine eindeutige Identifizierung erlaubt (Software vkd).

Als Problem erwies sich, daß verschiedene Fledermäuse, wie die Langohren, so ,,leise" Signale aussenden, daß ein ,,Bat"-Detektor sie nur in sehr kurzem Abstand, höchstens zwei Meter, wahrnimmt. Diese Arten können im allgemeinen (außer im Quartier) mit dem Detektor nicht erfaßt werden. Sie werden also weitgehend übersehen.

Der Handscheinwerfer, in unserem Fall ein 100 W Halogenstrahler, wird nach dem Auffinden jagender Fledermäuse zum Ermitteln der Individuenzahlen eingesetzt. Zusätzlich gewinnt man durch typische Flugmerkmale und Größeneinschätzung der Tiere weitere Anhaltspunkte, die die Artbestimmung absichern können.

Quartierkontrollen

In den Wintermonaten ab November bis März wurden Winterquartiere erforscht bzw. kontrolliert. Gut focussierbare Taschenlampen erwiesen sich dabei als geeignete Hilfsmittel. Die Ermittlung von Winterquartieren, die in unseren Fällen weitgehend anthropogener Natur sind, ergab sich zufällig in Gesprächen. Es wurden auch gezielte Begehungen potentieller Winterquartiere, wie Bunker, Stollen, Eiskeller, Eisenbahntunnel oder anderer unterirdischer Gänge durchgeführt. Dazu wurden bei der Stadt, dem Bergamt und dem THW, soweit vorhanden, Daten angefragt (in unserem Fall leider erfolglos). Als Weiteres wurde über die örtliche Presse ein Aufruf zur Meldung von Fledermausvorkommen verbreitet, außerdem wurde der örtliche Geschichtsverein angesprochen.

Als potentielle Sommerquartiere wurden Brücken,Kellerräume, Felsspalten und Baumhöhlen untersucht. Letztere sind besonders schwer zu finden, da sie aufgrund der Belaubung schlecht einsichtig sind.

Schaffung von Ersatzquartieren

Als Hilfsmaßnahme für phytophile Fledermäuse (Waldfledermäuse) wurden bei verschiedenen Institutionen, Wupperverband und der Stadt Wermelskirchen, Fledermauskästen organisiert und in Zusammenarbeit mit der Kindergruppe des RBN / CVJM (örtl. Naturschutzverein / Kinderljugendorganisation der evangelischen Kirche) gebaut und aufgehängt.

Anfänglich wurden Holzbetonkästen der Firma Schwegler verwendet. Nachdem aber Zweifel über das verwendete Material auf der Fledermaustagung in Blankenheim 1992 von Herrn Dr. Gebhard (Basel) geäußert wurden, sind wir zum Selbstbau von Kästen übergegangen.

Erhaltung von Winterquartieren

Von uns kartierte Fledermausquartiere wurden mit Hilfe des Kreises und der Stadt Wermelskirchen mit fledermausgerechten Gittern verschlossen. Es wurden sowohl ein Gitter mit Tür als auch feste Gitter angebracht. Unsere Erfahrung zeigt, daß unbedingt zersägesichere Gitter verwendet werden müssen.  (...)

Es gibt fünf Winterquartiere, die über das Gemeindegebiet verteilt liegen und ein Zwischenquartier. Mit Ausnahme im Gebiet der Dhünntalsperre wurden in der Regel nur wenige Fledermäuse, meistens nur 1-2 Tiere/Standort, festgestellt. Auch in den Winterquartieren ist eine geringe Belegung 1-2 Tiere die Regel.

Jagdreviere (Detektorstudien)

Kartierte Biotope und detektierte Fledermausarten:

Biotoptyp        / Anzahl der Standorte / angetroffene Fledermausarten

Stillgewässer                  10                     Wasserfledermaus / Zwergfledermaus

Fließgewässer                  4                     Wasserfledermäuse / Zwergfledermäuse

Innenstadt                        9                     Zwergfledermaus / Breitflügelfledermaus

Stadtrand                         6                      Gr.Abendsegler

Wald (Quartier)               1                     Wasserfledermaus/ Zwergfledermaus

Höhlen(Quartiere)           4                     Wasserfl./ Braunes Langohr/ Fransenfledermaus

Wasserflächen wurden mit 14 von 34 Standorten (41%) bevorzugt kartiert, während Waldbiotope bisher praktisch nahezu unberücksichtigt blieben. Dabei stellt sich heraus, daß jede kartierte Wasserfläche Fledermäuse autwies. Die Wasserfledermäuse wurden ausschließlich in diesem Biotoptyp kartiert. Möglicherweise besteht innerhalb der Flußauen (Eifgenbach, Dhünn, Eschbach) ein Biotopverbundsystem, das abgesucht wird.

Im lnnenstadtbereich konnten, wie im Stadtrandbereich, Fledermäuse vereinzelt nachgewiesen werden. Hier typischerweise in den Park- und Wiesenbiotopen mit lockeren Altbaumbeständen. Am häufigsten konnten Zwergfledermäuse beobachtet werden. Breitflügelfledermaus und großer Abendsegler wurden nur in Einzelexemplaren beobachtet. Wasserfledermäuse fehlten in diesen Biotopen.

Quartiere

Im Untersuchungszeitraum wurden vier Winterquartiere ermittelt. Davon waren zwei regelmäßig besetzt. Die Quartiere sind in Fels geschlagene Höhlen, von denen zwei verschlossen wurden. Hier wurden neben Wasserfledermäusen hauptsächlich braune Langohren und wahrscheinlich eine Fransenfledermaus kartiert. Sommernachweise konnten von diesen beiden Arten bisher noch nicht erbracht werden. Dies ist allerdings besonders schwierig, da sie mit einem Detektor nicht auf große Entfernungen detektierbar sind.

Es wurde ein Zwischenquartier in einem Vogelkasten festgestellt, das bereits seit Jahren regelmäßig besetzt ist.

Sommerquartiere konnten in Wermelskirchen nicht festgestellt werden. Die neu aufgehängten Fledermauskästen wurden zwar jährlich kontrolliert. Bisher konnte aber keine Belegung festgestellt werden.

Fortsetzung Wermelskirchen :        Ergebnisse         Zusammenfassung

Literaturhinweise unter          :       Literaturliste