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Fledermaus-Schutz

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Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen e.V. AKFSG

Fledermausvorkommen im Ballungsraum Ruhrgebiet Teil 3

D. Geiger-Roswora (Manuskript für LÖBF-Mitt. 3/1997) 25.08.1997

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Ein großer Teil der o.g. Lebensräume im Ruhrgebiet wird von Fledermäusen zur Nahrungssuche genutzt. Voraussetzung ist das ausreichende Vorhandensein von Insekten. Dabei werden von den einzelnen Fledermausarten unterschiedliche Kerbtiere als Nahrung benötigt: Während z.B. Abendsegler und Breitflügelfledermaus auf große Insekten wie Käfer und Nachtfalter spezialisiert sind, fressen u.a. Wasser- und Teichfledermaus kleine Fluginsekten (Mücken, Schnaken, Nachtfalter). Die Zwergfledermaus ist auf kleine bis sehr kleine Insekten (Mücken, kleine Nachtschmetterlinge u.ä.) angewiesen (RICHARZ & LIMBRUNNER 1992).

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Die wichtigsten Jagdgebiete für Fledermäuse im Ruhrgebiet sind Gewässer jeglicher Art. Hier jagen alle vorkommenden Fledermausarten zumindest zeitweise. - Die Wasserfledermaus kann an nahezu jedem größeren Teich gefunden werden, auch in Stadtzentren. Einzelne Tiere nutzen z.T. ganz kleine Gewässer mitten im Siedlungsbereich, wie z.B. einen kleinen Parkteich in der Stadtmitte von Essen (EBENAU, mdl. Mitt.).

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Insgesamt gibt es bisher nur wenige größere Teiche, an denen noch keine Fledermäuse festgestellt wurden. Zu den Stillgewässern mit besonders hoher Bedeutung als Jagdreviere gehören z.B.

- das Naturschutzgebiet Entenfang (Mülheim),

- das Naturschutzgebiet Beerenbruch (Dortmund / Recklinghausen),

- der Hammer Teich (Witten),

- das Bergsenkungsgebiet Emscher Bruch (Recklinghausen / Gelsenkirchen),

- die Teiche im Revierpark Vonderort (Oberhausen) und im Köllnischen Wald (Bottrop). Insgesamt wurden Fledermäuse angetroffen an Wald-, Park- und Stadtteichen, Gräften, Baggerseen, Fisch- und Gartenteichen, Kläranlagen, Hafenbecken, Regenrückhaltebecken, Wassergewinnungsanlagen, Altarmresten.

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Fließgewässer sind z.T. ebenfalls von enormer Wichtigkeit als Jagdgebiete. Eine herausragende Stellung hat hier die Ruhr mit ihren angrenzenden Auen- und Waldbereichen und den Ruhr-Stauseen. Sie ist eines der bedeutendsten Jagdgebiete im gesamten Ballungsraum. Fast entlang ihres kompletten Verlaufs durchs Ruhrgebiet werden regelmäßig Großer Abendsegler und Wasserfledermaus beobachtet, außerdem jagen Zwerg-, Rauhhaut-, Breitflügel- und Teich-fledermaus an der Ruhr. Der Fluß ist in Mülheim, Essen, Hattingen und Witten das Hauptjagd-gebiet für Fledermäuse. In Bochum und Schwerte gibt es ebenfalls viele Nachweise sowie Beobachtungen in Duisburg und Holzwickede.

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Jagdaktivitäten konnten auch an anderen Fließgewässern festgestellt werden, so am Rhein und den angrenzenden Rheinauen (Duisburg), an der Lippe (Kreis Unna), an der Emscher, am Rhein-Herne-Kanal (im Bereich Herne), am Dortmund-Ems-Kanal (Castrop-Rauxel; regelmäßig im Bereich Dortmund), am Aubruchkanal (Duisburg) und an einigen Bachläufen.

Jagende Fledermäuse wurden in vielen Städten außerdem registriert in Wäldern, Waldlichtungen und entlang von Waldrändern. Meist handelt es sich dabei um Abendsegler und Zwergfledermaus, ferner Rauhhautfledermaus, Wasserfledermaus und evtl. noch andere Arten.

Weitere von Fledermäusen, auch mitten in der Stadt, z.T. und zeitweise zur Jagd genutzte Bereiche im Ruhrgebiet sind u.a.:

- Parkanlagen und parkähnliche Strukturen (Zwerg- und Breitflügelfledermaus, Großer

Abendsegler)

- Friedhöfe (Großer Abendsegler, Breitflügelfledermaus)

- Gärten (Zwerg- und Breitflügelfledermaus)

- begrünte Halden (Großer Abendsegler, Zwergfledermaus u.a.)

- Laternen (Zwergfledermaus und wahrscheinlich Breitflügelfledermaus)

Einen großstadttypischen "Lebensraum" haben Breitflügelfledermäuse für sich entdeckt: sie jagen von Mai bis September über der Zentraldeponie Emscherbruch nach den dort zu Millionen hausenden Heimchen (DETTMAR & HAMANN 1995).

Auf beleuchteten Parkplätzen am Wald, wo der aufgewärmte Asphalt im Sommer Insekten anzieht, jagten in Bottrop Rauhhautfledermaus und Großer Abendsegler (BOCK 1996), in Essen die Zwergfledermaus (EBENAU 1993a).

Über einigen Wiesen und Feldern (überwiegend am Stadtrand) wurden Großer Abendsegler, Zwerg- und (selten) Breitflügelfledermaus beobachtet.

 

Quartiere

Nach der bevorzugten Wahl ihrer Sommerquartiere kann man Fledermäuse allgemein in baum- und gebäudebewohnende einteilen (s. z.B. RICHARZ & LIMBRUNNER 1992). Zu den "Waldfledermäusen" gehören u.a. Wasserfledermaus, Rauhhautfledermaus, Goßer und Kleiner Abendsegler. Dagegen werden Teich-, Breitflügel- und Zwergfledermaus zu den "Hausfledermäusen" gezählt. Vor allem die Breitflügelfledermaus ist in dieser Beziehung ein typischer Kulturfolger.

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Baumquartiere: Die Quartiere der "Waldfledermäuse" liegen - zumindest den Sommer über - bevorzugt in alten Baumhöhlen, die von Spechten angelegt wurden oder durch Fäulnis entstanden sind. Auch in Baumspalten, Stammrissen oder unter abstehender Rinde können sich Tagesquartiere befinden. Diese Verstecke sind in der Regel schwer zu finden (verdeckt durch Belaubung im Sommer, z.T. in großer Höhe), so daß bisher nur wenige Baumquartiere im Ruhrgebiet lokalisiert werden konnten. Nachweise von Wochenstuben in Waldbereichen liegen nur von der Wasserfledermaus vor, und zwar gesichert im Duisburg-Mülheimer Wald (in alten Buchen mit Spechthöhlen, s. EBENAU 1995) und sehr wahrscheinlich in einem feuchten Laubwald in Gewässernähe in der Gemeinde Holzwickede (DEVRIENT & WOHLGEMUTH 1996).

 

Quartierbäume sind auch im Ruhrgebiet meist alte Rotbuchen, seltener Eichen, nur vereinzelt andere Baumarten. - Baumhöhlen dienen Männchen des Großen Abendseglers auch als Paarungsquartier im Herbst, so z.B. konkret nachgewiesen in Mülheim, Bochum, im Kreis Unna und annähernd lokalisiert in Hattingen und Dortmund (EBENAU 1993b, DEVRIENT & WOHLGEMUTH 1995 u. 1996, RASTÄTTER & FRANKE 1996, STEPANEK 1996). In Castrop-Rauxel wurden balzende Rauhhautfledermäuse in einem alten Buchenbestand beobachtet (KRÄMERKÄMPER mdl. Mitt.).

Darüberhinaus konnten bereits einzelne Zwischen- und Winterquartiere des Großen Abendseglers in Baumhöhlen im Ruhrgebiet gefunden werden (EBENAU 1989, KRÄMERKÄMPER mdl. Mitt., RASTÄTTER & FRANKE 1996, VOGT mdl. Mitt. u.a.).

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Gebäudequartiere: Die Versteckmöglichkeiten an und in Gebäuden sind sehr vielfältig. Je nach Art bevorzugen Fledermäuse ungestörte Dachböden, Schuppen o.ä. oder nutzen Spalten hinter Fassadenverkleidungen, unter Flachdächern, in Rolladenkästen etc. Auch Ritzen und Spalten in Mauern können von Fledermäusen als Schlafplatz angenommen werden.

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Es gibt bis heute kaum ein Dutzend konkreter Nachweise von Gebäudequartieren im gesamten Ruhrgebietsraum, da während des Sommerhalbjahres und in der Übergangszeit genutzte Gebäudequartiere sehr schwer zu lokalisieren sind und oft nur durch Zufall gefunden werden.. Folgende "Quartiertypen" konnten bisher festgestellt werden (in der Regel Sommer-Wohnstätten): Kirche (STEPANEK 1996), Dachboden (SCHÖN schriftl. Mitt.), Flachdächer (DEVRIENT & WOHL-GEMUTH 1995, EBENAU 1996b), Holzverkleidungen an Hauswänden (DEVRIENT & WOHL-GEMUTH 1995), Balkon-Spalten in Mehrfamilienhäusern (STEPANEK 1996, DEVRIENT & WOHLGEMUTH 1995), Rolladen(kasten) (EBENAU 1996b, KORN mdl. Mitt.). Soweit die Quartierbewohner bestimmt werden konnten, handelte es sich um Rauhhaut- und (selten) Wasserfledermaus sowie vermutlich Zwerg- und Breitflügelfledermaus.

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In einem nicht mehr genutzten Gebäude (alte Koks-Batterie) in Bochum überwintern seit mindestens 1991 regelmäßig mehrere Wasserfledermäuse (u.a. STEPANEK 1994, ARBEITS-KREIS UMWELTSCHUTZ BOCHUM 1997).

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Sonstige Bauwerke und Verstecke: An erster Stelle sind hier Höhlen, Stollen, Keller und andere unterirdische Räume zu nennen. Sie sind insbesondere als Winterquartiere bedeutsam. So konnten im Ruhrgebiet in 3 Stollen, einem alten Keller, 2 Bunkern und einem ehemaligen Eisenbahntunnel winterschlafende Fledermäuse belegt werden. Die häufigste Art in diesen Quartieren, die hauptsächlich am südlichen und östlichen Rand des Ballungsraums liegen, war die Wasserfledermaus, außerdem wurden vereinzelte Fransenfledermäuse und ein Braunes Langohr nachgewiesen (BREMEN 1995, DEVRIENT & WOHLGEMUTH 1995 u. 1996, EBENAU 1989, 1993a, 1996a u. b, VOGT mdl. Mitt.).

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Besondere Bedeutung für Fledermäuse haben im Ruhrgebietsraum einige Bachverrohrungen bzw. -unterführungen. Dies trifft insbesondere für eine Bachunterführung in Essen zu, die ganzjährig Wasserfledermäusen als Quartier dient. Ca. 40 Männchen dieser Art nutzen den Tunnel als Sommerschlafplatz und Zwischenquartier, einzelne Tiere auch im Winter, wodurch dem Bereich nicht nur regionale, sondern landesweite Bedeutung zukommt (EBENAU 1996b). - Im Kreis Unna werden 2 Bachunterführungen von einzelnen Wasser- und Fransenfledermäusen sowie Braunem Langohr als Zwischen- und Winterquartier genutzt (DEVRIENT & WOHLGEMUTH 1995 u. 1996). - In Hattingen befindet sich ein Jagdgebiet von Wasserfledermäusen in einer Bachverrohrung (STEPANEK 1996).

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Sommerquartiere in Spalten unter Fließgewässer-Brücken, wie sie nicht selten von der Wasserfledermaus bekannt sind, konnten bisher - trotz teilweise intensiver Suche - nicht gefunden werden.

Dagegen wurden einige eher ungewöhnliche Quartierorte entdeckt: So hingen in einer Toreinfahrt eines Essener Schlosses zeitweise 3 Wasserfledermäuse - vermutlich ein Zwischenquartier (EBENAU 1993a). - Ende April 1993 nutzte eine Fledermaus (Pipistrellus spec.) den Schrott-Container eines Betriebes in Lünen als Schlafplatz (DEVRIENT & WOHLGEMUTH 1995). - In einem Holzstapel in Mülheim überwinterte 1993 eine (vermutlich Rauhhaut-)Fledermaus (EBENAU 1996b).

Fledermauskästen: Im Ruhrgebiet gibt es im allgemeinen ein Defizit an natürlichen Baumhöhlen. In fast allen Städten wurden daher - in unterschiedlicher Zahl - spezielle Fledermauskästen als Ersatz- und Übergangsquartiere für baumhöhlenbewohnende Fledermäuse an geeignet erscheinenden Standorten (insbesondere in Waldgebieten) aufgehängt.

In einigen Bereichen wurden die Kästen nicht oder nur in sehr geringem Umfang angenommen. In anderen Gebieten findet aber während der Zugzeit im Frühjahr und Herbst eine starke Nutzung statt, und zwar als Zwischen- und Paarungsquartiere. Dies konnte insbesondere im gesamten Ruhrtal festgestellt werden, hier schwerpunktmäßig im Raum Holzwickede, Schwerte und Bochum. In Holzwickede und Schwerte wurden auch häufig Vogelnistkästen von Fledermäusen besetzt.

Am häufigsten wurden Rauhhautfledermaus und Großer Abendsegler in Kästen nachgewiesen; beide Arten nutzen sie teilweise auch als Paarungsquartiere im Herbst. Als Zwischenquartier werden die Kästen auch von Wasser- und Teichfledermaus sowie Kleinem Abendsegler genutzt; Fransenfledermaus und evtl. eine Große Bartfledermaus konnten darüberhinaus im Bereich Holzwickede festgestellt werden (DEVRIENT & WOHLGEMUTH 1995).

Schutzmaßnahmen

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Das Vorkommen von Fledermäusen hängt davon ab, ob Jagdgebiete mit ausreichender Menge an Insekten als Nahrungsgrundlage zur Verfügung stehen und gleichzeitig geeignete Quartiere (Tagesschlafplätze, Wochenstuben, evtl. Paarungs- und Winterquartiere) in der Nähe vorhanden sind. Schutz- und Fördermaßnahmen müssen daher in beiden Bereichen ansetzen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation von Fledermäusen im Ruhrgebiet wurden und werden auf den verschiedensten Ebenen durchgeführt. Dies betrifft teilweise den Schutz und die Optimierung von (potentiellen) Jagdbiotopen im Rahmen des allgemeinen Biotopschutzes, teilweise den Erhalt und die Sicherung vorhandener Fledermaus-Wohnstätten sowie Neuschaffung von Quartieren, aber auch intensive Öffentlichkeitsarbeit. Die Ideen für Hilfsmaßnahmen sind vielfältig, ebenso gibt es verschiedene Möglichkeiten für ihre Umsetzung.

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Das Thema "Schutzmaßnahmen für Fledermäuse im Ruhrgebiet" wird in einem der nächsten Hefte dieser Schriftenreihe näher behandelt.

Fortsetzung des Artikels unter:

Arten           Lebensräume         Ausblicke           Literatur

Freundlicherweise wurde uns der Text  von Frau Dietlind Geiger-Roswora und die Fotos von Frau Jana Stepanek zur Verfügung gestellt. Copyright und jegliche Rechte der Verwertung liegen bei Frau D. Geiger-Roswora und J. Stepanek.