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Fledermaus-Schutz

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Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen e.V. AKFSG

Fledermausvorkommen im Ballungsraum Ruhrgebiet Teil 2

D. Geiger-Roswora (Manuskript für LÖBF-Mitt. 3/1997) 25.08.1997

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Artenspektrum

Bisher konnten mindestens 11 Fledermaus-Arten im Ruhrgebiet nachgewiesen werden (bei den Bartfledermäusen steht noch nicht fest, ob nur eine der beiden Arten vorkommt oder alle zwei). Eine Übersicht gibt Tab. 1. Die in der Tabelle in den ersten 6 Spalten aufgeführten Arten gehören zu den nach Roter Liste NRW (1986) gefährdeten Säugetieren bzw. gefährdeten Wanderarten, die übrigen fallen derzeit unter die Kategorie "stark gefährdet".

Die meisten Angaben in Tab. 1 basieren auf Beobachtungen in Jagdgebieten, im Kreis Unna fast ausschließlich auf Handbestimmungen.

Einige Positiv-Meldungen in der Tabelle beruhen auf Einzelfunden in den letzten 15 Jahren (z.B. wurde die Fransenfledermaus in Essen lediglich 1989 und 1990 angetroffen).

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Häufigkeit und Verbreitung

Gesicherte Fledermausvorkommen, d.h. Jagdgebiete und/oder Quartiere, gibt es in allen Städten und Gemeinden.

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Die beiden häufigsten Arten im Ruhrgebiet sind die Wasserfledermaus und der Abendsegler. Sie treten regelmäßig in jeder Stadt/Gemeinde auf.

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In den meisten Städten dominiert die Wasserfledermaus. Sie ist in der Regel den ganzen Sommer über zu finden, in einigen Bereichen verstärkt während der Zugzeit im Herbst und Frühjahr (saisonale Wanderungen zwischen Sommerlebensräumen und Winterquartieren). Neben zahlreichen Jagdgebieten im ganzen Raum - die Jagdreviere liegen bei dieser Art bis zu 7 km von den Quartieren entfernt (EBENAU 1995) - konnten auch zwei Wochenstuben in Waldbereichen entdeckt werden (in Holzwickede und Mülheim, s.u. "Baumquartiere"); weitere Wochenstuben werden vermutet, z.B. im Gebiet im oder um den Stadtwald Gelsenkirchen-Buer (HAMANN 1992).

Sommer- und Zwischenquartiere sind in Essen, Witten und Holzwickede sicher nachgewiesen, Überwinterungsplätze existieren ebenfalls in diesen drei Städten bzw. Gemeinden sowie in Bochum. Die Art kommt also ganzjährig im Ruhrgebiet vor und pflanzt sich hier auch fort.

Die Anzahl der Tiere beträgt in den Jagdgebieten häufig nur 1 - 4, es konnten aber mehrfach auch 5 - 6 Exemplare beobachtet werden. Nur in wenigen Revieren jagten 7 - 10 oder mehr Wasserfledermäuse gleichzeitig. Die maximalen Anzahlen in Jagdgebieten betrugen 10 - 15 (z. B. in Witten), 10 - 20 (Mülheim, hier kurzfristig auch ca. 50) und 25 (Dortmund, hier nur im Frühjahr so viele Tiere).

Die Anzahlen in den insgesamt 10 Winterquartieren waren ebenfalls überwiegend gering: meist 1 - 2 Wasserfledermäuse. Nur in 3 Quartieren schliefen zeitweise bis zu 7 oder 8 Tiere. - Die Individuenzahlen in den Sommer- und Zwischenquartieren lagen zum Teil höher. So bestand die Wochenstubenkolonie in Essen aus 15 Tieren (EBENAU 1995). Spitzenwerte waren in einem Sommerquartier in Essen ca. 40 Exemplare (EBENAU 1994) und in einem Zwischenquartiergebiet in Holzwickede (feuchter Laubwald mit mehreren Nistkästen) an einem Tag im Herbst bis zu 73 Wasserfledermäuse (DEVRIENT & WOHLGEMUTH 1996).

Der Abendsegler gilt allgemein als die zweithäufigste Art im Ballungsraum Ruhrgebiet; in einigen Bereichen (z. B. in Witten und Hattingen) ist er die dominierende Art. Der Abendsegler kann im Ruhrgebiet in fast allen Städten und Gemeinden den ganzen Sommer über jagend angetroffen werden. Vielerorts ist ein deutlicher Anstieg der Bestandszahlen im Frühjahr und Herbst zu verzeichnen, denn er hält sich hauptsächlich als Durchzügler im Ruhrgebiet auf.

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Er gehört zu den weit wandernden Arten und legt bis zu 930 km zwischen den Sommerquartieren in Osteuropa und seinen Winterquartieren im Südwesten zurück (RICHARZ & LIMBRUNNER 1992). Während im allgemeinen überwiegend einzelne (1 - 3) oder wenige (4 - 6) Tiere in den Jagdgebieten registriert werden (im Kreis Unna 8 - 13 auch im Sommer), können es zur Zugzeit bereichsweise 10 - 12 (z. B. in Gladbeck) oder 8 - 20 (Dortmund) sein; an der Ruhr in Schwerte wurden bis zu 34 Tiere an einem Abend gezählt. Eine herausragende Bedeutung hat während der Zugzeit offenbar der Wittener Raum: Hier halten sich im Frühjahr insgesamt bis zu 80 (zum Vergleich: im Juni/Juli etwa 30) und im Herbst bis zu 90 Abendsegler auf (VOGT, mdl. Mitt.), eine für Nordrhein-Westfalen bemerkenswerte Anzahl.

Im Herbst konnten mehrere Paarungsquartiere und zur Zugzeit eine Reihe von Zwischen-quartieren in Baumhöhlen und Fledermauskästen festgestellt werden. Die Paarungsquartiere befinden sich hauptsächlich am Südrand des Ballungsraums (u.a. Kreis Unna, Bochum, Mülheim), weitere im Ostteil (insgesamt 9 Paarungsquartiere in Dortmund, DEVRIENT & WOHLGE-MUTH mdl. Mitt.) und sind jeweils mit 1 männlichen Tier besetzt. Auch die zur Zugzeit genutzten Zwischenquartiere liegen vor allem am südlichen Rand des Ruhrgebietes, in der Nähe der Ruhr (in Bochum, Essen, Mülheim, Holzwickede und Schwerte). Es wurden überwiegend wenige, zeitweise aber auch viele Tiere angetroffen: Im Herbst und Frühjahr etwa sind 6 - 10 Tiere mehrfach belegt; in Bochum schliefen in einem Zwischenquartiergebiet (Fledermauskästen) an einem Tag im April 1994 24 Tiere, in Dortmund im Mai 1986/87 bis zu 20. Hohe Bestände konnten mehrfach im Kreis Unna verzeichnet werden: Im Herbst zweimal 23 und je einmal 24, 26 und 29 Tiere an einem Tag in Fledermauskästen.

Für einige Tiere endet der herbstliche Zug im Ruhrgebiet: So wurden Winterquartiere des Abendseglers z.B. in Baumhöhlen in Castrop-Rauxel und Witten nachgewiesen. - In einem künstlichen Quartier in Holzwickede (s.u.) verbrachten 7 Abendsegler den vergangenen Winter (DEVRIENT & WOHLGEMUTH mdl. Mitt.).

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Natürliche Wochenstuben konnten im Ruhrgebiet nicht gefunden werden. Es gibt aber eine Besonderheit in Holzwickede: In einem künstlichen Quartier, das als Auswilderungsstation für in Gefangenschaft geborene Abendsegler auf ein Hausdach im Siedlungsbereich gebaut wurde, bringt seit 1993 ein Abendseglerweibchen regelmäßig seine Jungen zur Welt. 1996 kamen 3 weitere Weibchen hinzu und 1997 nochmals 2 (letztere bereits hier geboren), so daß in diesem Jahr eine Wochenstube mit 6 Weibchen bestand, in der 11 kleine Abendsegler das Licht der Welt erblickten (DEVRIENT & WOHLGEMUTH 1995, 1996 und mdl. Mitt.).

In der überwiegenden Anzahl der Gemeinden leben auch Zwerg- und Rauhhautfledermaus, aber in wesentlich geringerer Stückzahl als die beiden oben beschriebenen Arten. Eine Sonderstellung nimmt Bottrop ein: Hier ist die Zwergfledermaus die am weitesten verbreitete Art (14 Jagdgebiete).

Zwergfledermäuse sind meist ortstreu. Die Jagdgebiete liegen 1 - 2 km von den Quartieren entfernt (RICHARZ & LIMBRUNNER 1992). Jagdreviere wurden in den meisten Städten und Gemeinden im Ruhrgebiet gefunden. Fast immer werden sie nur von 1 - 2 Zwergfledermäusen genutzt. Lediglich in Dortmund, Hattingen, Mülheim und Gladbeck konnten in einzelnen Jagdgebieten 4 - 6 Tiere registriert werden.

Die Art kommt in einigen Städten ganzjährig im gesamten Stadtgebiet vor (z. B. Mülheim), dennoch ist es bis heute nicht gelungen, aktuell genutzte Sommerquartiere oder Wochenstuben konkret auszumachen. Es liegen lediglich der Fund einer toten Zwergfledermaus in einem Rolladenkasten vor (EBENAU 1996b) sowie einzelne Hinweise auf das Vorhandensein von Quartieren (z. B. in Essen, Duisburg und Unna).

Die Rauhhautfledermaus ist eine weit wandernde Art (bis zu 1.600 km nach RICHARZ & LIMBRUNNER 1992), die im Herbst und Frühjahr das Ruhrgebiet durchzieht und sich hier im Herbst in größerer Zahl auch zur Paarung aufhält. In den Jagdrevieren werden fast immer nur 1 oder 2 Tiere festgestellt, selten sind es bis zu 5.

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Insgesamt sehr zahlreiche Nachweise und z. T. sehr viel höhere Individuenzahlen konnten dagegen in den Paarungs- und Zwischenquartieren, die sich auch bei dieser Art in der südlichen Ballungsrandzone konzentrieren, gefunden werden. Maximale Besatzzahlen an einem Tag in Fledermauskästen (jeweils mehrere Kästen pro Standort): 9 Tiere in Essen, je 13 in Bochum und Mülheim, 7x zwischen 28 und 46 in Schwerte und in Holzwickede je einmal 41, 47 und 73.

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Die Rauhhautfledermaus konnte an fast allen Fundstellen im Ruhrgebiet nur während der Zugzeit registriert werden. Drei Beobachtungen belegen aber ein Vorkommen auch im Sommer:

- In Bottrop wurden den Sommer über jagende Tiere festgestellt, wobei keine Erhöhung der

Bestandszahlen im Herbst festzustellen war (BOCK 1996).

- Den Sommer über jagten in Hattingen regelmäßig zwischen April und September Rauhhaut-

fledermäuse (hier befand sich auch zeitweise ein Sommerquartier eines Tieres in einer Balkon-

Spalte, STEPANEK 1996).

- In Lünen existiert ein Sommer-, Zwischen- und Paarungsquartier im Dach eines Gebäudes mit

bis zu 3 Exemplaren.

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Vermutlich überwinterte eine Rauhhautfledermaus 1993 in Mülheim.

Etwas seltener als die vorgenannten Arten wurde bisher die Breitflügelfledermaus im Ruhr-gebiet beobachtet. Bemerkenswert ist ihr Vorkommen in Gelsenkirchen: hier war sie die häufigste der zwischen 1985 und 1991 nachgewiesenen Arten (von Mai bis Oktober regelmäßig jeweils einzelne oder wenige Tiere in verschiedenen Jagdgebieten und Stadtteilen).

Die Breitflügelfledermaus gehört wie die Zwergfledermaus zu den eher ortstreuen Arten. Sie jagt bis ca. 2 km von ihrem Quartier entfernt (SCHOBER & GRIMMBERGER 1987). Die Art ist nach den vorliegenden Beobachtungen insgesamt nicht häufig im Ruhrgebiet. In den Jagdrevieren wurden bisher fast immer nur einzelne, selten 2 Tiere oder mehr angetroffen. Quartiere sind bei dieser Art besonders schwierig zu finden, da die Tiere meist einzeln leben (keine Massenquartiere bekannt, nach RICHARZ & LIMBRUNNER 1992). Bisher gibt es nur in Lünen einen Hinweis auf ein Sommerquartier.

Von der Teichfledermaus liegen aktuell nur eine Handvoll sicherer Fundorte im Ruhrgebiet vor. Die Art gilt in NRW ausschließlich als Wintergast, der seine Sommerlebensräume in den Niederlanden hat (FELDMANN 1984a). Dementsprechend erfolgten die Beobachtungen im Ruhrgebiet hauptsächlich zur Zugzeit. Im Frühjahr, Spätsommer und Herbst konnten in Fledermauskästen in Bochum regelmäßig und stetig 1 bis mehrere Tiere (max. 8 an einem Tag) festgestellt werden. Auch in Holzwickede nutzten während der Herbstwanderung mehrmals einzelne Teichfledermäuse Nistkästen als Zwischenquartier. In Hattingen wurden einzelne Tiere auf der Jagd angetroffen. Auffällig ist der frühe Zeitpunkt der Beobachtungen in Hattingen und teilweise auch in Bochum: Die Tiere trafen teilweise schon Ende Juli hier ein. - Der einzige Hinweis auf eine Überwinterung im Ruhrgebiet stammt aus Gelsenkirchen: Mitte Januar 1981 wurde hier eine Teichfledermaus im Hafenbereich aufgefunden, die in einem Kamin gehangen hatte (FELDMANN 1984a).

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Braunes Langohr, Fransen- und Bartfledermäuse treten nur in den Randbereichen des Ballungsraums auf, wobei jeweils nur einzelne Tiere gefunden wurden.

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Die Fransenfledermaus führt relativ kurze saisonale Wanderungen durch (max. 60-90 km). Die Sommerlebensräume mit den Wochenstuben befinden sich in Nordrhein-Westfalen fast alle in der zentralen bzw. östlichen Westfälischen Bucht in münsterländischer Parklandschaft (FELDMANN 1984b). Im Ruhrgebiet existieren von der Art Nachweise in 2 Zwischen- und 3 Winterquartieren im Kreis Unna, auch in Dortmund wurde ein Zwischenquartier gefunden. In einem Winterquartier in Essen war sie nur 1989 und 1990 vertreten. In Bottrop sind 2 Jagdreviere am Köllnischen Wald bekannt. In denselben Jagdgebieten in Bottrop wurden auch Bartfledermäuse beobachtet. Ob es sich dabei um die Kleine oder Große Bartfledermaus handelt, konnte noch nicht geklärt werden. - Möglicherweise befindet oder befand sich ein Zwischenquartier einer Großen Bartfledermaus in einem Nistkasten in Holzwickede (Durchzug im Spätsommer). Dieser Nachweis bedarf aber noch einer Bestätigung (DEVRIENT & WOHLGEMUTH mdl. Mitt.). Bartfledermäuse führen saisonale Wanderungen bis zu 240 km durch (RICHARZ & LIMBRUN-NER 1992).

Das ortstreue Braune Langohr fand sich im Ruhrgebietsraum bisher nur in 2 Winterquartieren. Das eine liegt in Essen, das andere im Kreis Unna auf der Grenze zwischen Holzwickede und Schwerte. - In Kamen wurde Ende März 1995 ein sterbendes Exemplar gefunden.

Bemerkenswert sind die Nachweise des Kleinen Abendseglers. Er gehört zu den weit wandernden Arten (ähnlich dem Großen Abendsegler). In diesem Jahrhundert wurde er in Nordrhein-Westfalen erstmals seit den 60er Jahren im südlichen Rheinland vereinzelt beobachtet (überwiegend Sommerfunde), seit den 70er Jahren existiert im Raum Bonn eine Wochenstuben-kolonie (ROER 1993). Erst seit den 80er Jahren ist er in Westfalen (nach über 100 Jahren) wieder nachgewiesen und seither ist dort eine allmähliche Zunahme dieser immer noch seltenen Baumfledermaus zu verzeichnen (VIERHAUS 1996). Im Ruhrgebiet wurde die Art erstmals in den 90er Jahren entdeckt (einzelne Tiere, alle Fundstellen lagen in oder an Wäldern mit angrenzenden Gewässern). Zwischenquartiere konnten in Bochum und Holzwickede im August gefunden werden. Ein Jagdgebiet liegt in Oberhausen und mehrere in Bottrop (BOCK 1996).

Die Nachweise der Zweifarbfledermaus, einer Wanderart (nach SCHOBER & GRIMMBERGER bis 900 km zwischen Sommer- und Winterquartier), sind wahrscheinlich durchziehenden Tieren zuzuschreiben. Es erfolgten insgesamt 6 Beobachtungen (Zufallsfunde) in den vergangenen 15 Jahren im Ruhrgebiet (im Frühwinter bzw. Frühling, jeweils Einzeltiere).

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Freundlicherweise wurde uns der Text  von Frau Dietlind Geiger-Roswora und die Fotos von Frau Jana Stepanek zur Verfügung gestellt. Copyright und jegliche Rechte der Verwertung liegen bei Frau D. Geiger-Roswora und J. Stepanek.