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Fledermaus-Schutz

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Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen e.V. AKFSG

Fledermausvorkommen im Ballungsraum Ruhrgebiet Teil 1

D. Geiger-Roswora (Manuskript für LÖBF-Mitt. 3/1997) 25.08.1997

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Zusammenfassung

In jeder Stadt bzw. Gemeinde des Ruhrgebiets wurden Kartierungen von Fledermäusen begonnen oder bereits durchgeführt. Bisher konnten mindestens 11 der insgesamt 20 in NRW vorkommenden Arten, die alle auf der Roten Liste stehen, nachgewiesen werden. Von Wasserfledermaus und Großem Abendsegler liegen die meisten Beobachtungen vor. Sie sind im Ruhrgebiet relativ verbreitet und dort ganzjährig zu finden. Die stärker gefährdeten Arten konzentrieren sich auf die struktur- und waldreicheren Ballungsrandzonen. Insgesamt sind Fledermäuse im Ruhrgebiet nicht häufig, und einige Arten wurden nur zu bestimmten Jahreszeiten festgestellt.

Zur Zugzeit werden größere Anzahlen verzeichnet. Eine herausragende Rolle kommt der Ruhr als Jagdgebiet und Leitlinie für wandernde Arten zu. Die wichtigsten Jagdreviere sind im Ruhrgebiet Gewässer jeglicher Art.

Meldungen von Quartieren liegen fast nur aus den schon länger systematisch kartierten Bereichen im Süden und Osten vor. Überregionale Bedeutung hat ein Wasserfledermaus-Quartier in einer Bachverrohrung.

Insbesondere über Quartiere, aber auch über die Artenzusammensetzung sind bei Fortführung der Kartierungsarbeiten neue Erkenntnisse zu erwarten. Die hier vorgelegte Zusammenstellung ist daher nur eine vorläufige Übersicht.

Fledermäuse gelten in der Regel als Indikatoren für eine weitgehend intakte, naturnahe, abwechslungsreiche Landschaft. Ihr regelmäßiges Vorkommen in einem Ballungsraum wie dem Ruhrgebiet scheint daher zunächst kaum vorstellbar. Dennoch haben einige Arten hier dauerhaft zumindest Teillebensräume gefunden. Die bisher nachgewiesenen Vorkommen und ihre Lebensräume werden dargestellt.

Fledermäuse, die einzigen fliegenden Säugetiere unserer heimischen Fauna, stellen komplexe Ansprüche an ihren Lebensraum: Neben Jagdgebieten, in denen die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere ausreichend Insektennahrung finden, benötigen sie je nach Jahreszeit unterschiedliche Wohnstätten: Räumlichkeiten für die Jungenaufzucht,

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kleinere Verstecke für einzelne Männchen bzw. Tiere auf dem Durchzug sowie Quartiere für den Winterschlaf. Einige Arten brauchen auch spezielle Paarungsquartiere. Alle diese Quartiere müssen in erreichbarer Nähe von Jagdrevieren liegen. Diese Voraussetzungen sind insbesondere in naturnahen oder extensiv genutzten, gehölz- und gewässerreichen Gebieten mit Altbaumbeständen gegeben. Viele Fledermausarten weisen daher eine Bindung an solche Landschaften auf.

Die insektenarme kalte Jahreszeit verbringen Fledermäuse im Winterschlaf in geeigneten frostgeschützten Quartieren, die mitunter weit von den Sommerlebensräumen entfernt liegen. Die Weibchen ziehen ihre Jungen gemeinsam in Wochenstuben auf. Fledermäuse bringen

jährlich - je nach Art - nur 1 bis 2 Junge zur Welt und können ein Alter von über 20 Jahren errreichen. Viele Arten sind sehr ortstreu und kehren immer wieder zu denselben Verstecken zurück.

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Der Bestand der nächtlichen Insektenjäger war in den letzen Jahrzehnten stark rückläufig. Dies war ab 1979 in NRW Anlaß, alle 20 in Nordrhein-Westfalen beheimateten Arten der Fledertiere in die Rote Liste aufzunehmen (BAUER 1979, ENGLÄNDER et al. 1986).

 

Rückgangsursachen

Zwei Gründe waren hauptsächlich verantwortlich für den Rückgang der Fledermäuse: Einerseits bewirkten der Einsatz von Insektiziden in der freien Landschaft, aber auch in Gärten, sowie die Beseitigung von ökologischen Strukturen wie Hecken und Streuobstwiesen und das Trocken-legen von Feuchtgebieten eine starke Abnahme bzw. nur noch kurzfristige Verfügbarkeit von Insekten. Gleichzeitig ging das Angebot an geeigneten Quartieren (z.B. alte Höhlenbäume, ungestörte Dachböden, offen gelassene Stollen) drastisch zurück.

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Hinzu kamen der Einsatz von giftigen Holzschutzmitteln bei Dachstuhlsanierungen und die direkte Verfolgung durch den Menschen. Letzteres fand oft aus Unkenntnis über die Lebensweise der harmlosen und nützlichen Insektenvertilger statt.

In den letzten Jahren ist in Nordrhein-Westfalen erfreulicherweise wieder eine Zunahme bei einigen Arten (z.B. Wasser- und Zwergfledermaus) zu verzeichnen. Dennoch sind weiterhin Schutzmaßnahmen unerläßlich.

 

Kartierung im Ballungsraum Ruhrgebiet

Um wirkungsvolle Schutzmaßnahmen für Fledermäuse in einem Gebiet durchführen zu können, ist die genaue Kenntnis der vorkommenden Arten, ihrer Jagdgebiete und Quartiere Voraus-setzung.

Wie an vielen Orten in der freien Landschaft, so haben sich auch im Ruhrgebiet eine Reihe ehrenamtlicher Naturschützer auf die Suche nach Fledermäusen gemacht. Ohne ihren Einsatz wäre heute über das Vorkommen dieser Tiergruppe hier kaum etwas bekannt.

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Inzwischen wurde in allen Städten im Ruhrgebiet eine Kartierung von Seiten des ehrenamtlichen Naturschutzes begonnen oder bereits durchgeführt. Die hier dargestellte Übersicht basiert im wesentlichen auf diesen Erhebungen. In einzelnen Bereichen waren darüberhinaus Fledermaus-Vorkommen das Thema von Staatsexamensarbeiten (u.a. BOCK 1996). In Abb. 1 ist der bei dieser Zusammenstellung berücksichtigte Raum dargestellt sowie Zeitraum bzw. Beginn der Kartierungen (soweit bekannt).

Kartierung fliegender Tiere: Durch ihre nächtliche Lebensweise sind Fledermäuse nur einge-schränkt direkt zu beobachten. Viele Arten verlassen zwar schon in der frühen Dämmerung ihre Tagesschlafplätze (z.B. Abendsegler, Zwergfledermaus), andere fliegen aber erst spät aus, wie etwa die Teichfledermaus. Zu den eingeschränkten Sichtverhältnissen am Abend bzw. in der Nacht kommen der meist schnelle Flug und ein relativ ähnlicher Habitus bei vielen Arten, so daß eine Bestimmung der Artzugehörigkeit nur nach Sichtbeobachtung oft schwierig ist.

Hilfsmittel für die Kartierung sind also erforderlich. In der Regel werden zusätzlich Bat-Detekto-ren eingesetzt - Geräte, die die für den Menschen unhörbaren Ultraschall-Laute der Fledermäuse, die sie zur Ortung von Hindernissen oder Beutetieren ausstoßen, in hörbare Töne umwandeln. Mit diesen Geräten können Jagdreviere und Flugrouten relativ gut ausgemacht werden. Darüber-hinaus ist aufgrund der spezifischen Ruf-Frequenzen der einzelnen Fledermausarten z. T. auch eine Bestimmung oder Eingrenzung der Species mit dem Bat-Detektor möglich. Mehrere Abende bzw. Nächte "Ansitz" von Frühjahr bis Herbst pro Revier sind notwendig, um annähernd die Anzahl jagender Tiere und soweit möglich das Artenspektrum in einem Gebiet festzustellen.

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In einigen Städten wurden Netzfänge mit Ausnahmegenehmigung der Unteren Landschafts-behörde durchgeführt (z.B. in Bochum, Bottrop, Dortmund, Hattingen, Essen und Mülheim),

um das Artenspektrum zu sichern und wenn möglich zu ergänzen. Dies ist teilweise auch gelungen.

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Erfassung von Quartieren: Noch sehr viel zeitaufwendiger als die Kartierung der Jagdreviere - und oft nicht möglich - ist das Auffinden von Quartieren. Fledermäuse schlafen in der Regel sehr versteckt in Ritzen oder Hohlräumen von Altbäumen, Häusern oder anderen Bauwerken, oft jeweils nur einzeln oder zu wenigen Tieren.

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In vielen Städten wurden potentielle Quartiere abgesucht. So fand z.B. bereichsweise eine intensive Suche in vorhandenen Bunkern, Stollen, ehemaligen Eisenbahntunneln und anderen unterirdischen Gängen nach überwinternden Fledermäusen statt (z.B. in Bochum, Hattingen, Witten, Duisburg, Unna). In Kirchen und anderen alten Gebäuden erfolgten Kontrollen auf Sommerschlafplätze bzw. Wochenstuben (u.a. in Bochum, Hattingen, Gelsenkirchen und Herne), in Herne auch in landwirtschaftlichen Betrieben. Ferner wurden Spechthöhlen auf Fledermaus-besatz hin kontrolliert (Herne, Dinslaken z.B.). Bereichsweise wurden auch Brücken genau untersucht. - Erfolge waren bei diesen Kontrollen in einigen Städten in bezug auf (wenige) Winterquartiere zu verzeichnen (BREMEN 1995, VOGT mdl. Mitt., DEVRIENT & WOHLGEMUTH mdl. Mitt. u.a.). In einer Hattinger Kirche wurde frischer Fledermauskot entdeckt (STEPANEK 1996).

Intensive Umfragen in der Bevölkerung und Aufrufe in der Presse, insbesondere zur Meldung von Gebäude-Quartieren, brachten allgemein wenig Resonanz.

Eine andere Methode ist erfolgreicher, aber nur in Ausnahmefällen möglich: Mit Hilfe der Telemetrie, wobei Tiere mit Sendern versehen werden, gelang in Mülheim u.a. das Auffinden von 6 Quartierbäumen der Wasserfledermaus (EBENAU 1995).

Fortsetzung des Artikels unter:

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Freundlicherweise wurde uns der Text  von Frau Dietlind Geiger-Roswora und die Fotos von Frau Jana Stepanek zur Verfügung gestellt. Copyright und jegliche Rechte der Verwertung liegen bei Frau D. Geiger-Roswora und J. Stepanek.