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Fledermaus-Schutz

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Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen e.V. AKFSG

Das Jahr 1999

Bericht von der Jahreshauptversammlung des Arbeitskreis

Fledertierschutz Solingen e.V. (AKFSG) vom 15.01.2000

Für das Jahr 1999 wurden mehrere Projekte geplant und durchgeführt:

 a) Projekt Stollenkontrollen

Die Stollenkontrollen des Winters 1998/99 brachten bei der Artenzusammensetzung keine Neuigkeiten, es blieb bei Wasserfledermäusen und Großen Mausohren. Das UFO (vermutlich Bartfledermaus) des letzten Jahres konnte nicht wiederaufgefunden werden.

Ein besonders negatives Erlebnis während der Stollenkontrollen in der Zeit von Januar bis März 1999 waren 10 aufgebrochene Schlösser, wobei zwei Schlösser sogar ausgetauscht wurden. Mit Unterstützung des Grünamtes der Stadt Solingen und der Stadtwerke Solingen, auf deren Gelände sich teilweise die Stollen befinden, konnten unsere finanziellen Belastungen für die Wiederbeschaffung etwas gemindert werden. Ansonsten wären solche Aufbrüche und deren kostenmäßige Folgen für unseren Verein das finanztechnische k.o. Eine Anzeige bei der Polizei brachte vorerst keinen Erfolg, bis auf die Besonderheit, daß unter Polizeischutz der mit „fremden" Schlössern „gesicherte" Stollen von uns geöffnet und kontrolliert wurde. Dieser Abend wird uns sicher noch lange im Gedächtnis bleiben, denn die Szenerie war absolut phantastisch: ein nicht richtig funktionierender Stromerzeuger, das Kreischen der Flex, ein Polizeibeamter in Uniform und das ganze beleuchtet von einer schummrigen Elektrohandlampe in einer abendlichen Dunst- und Nebelstimmung. Kartierer, was verlangst Du mehr an Emotion! Die Vermutung, daß die Aufbrüche im Zusammenhang mit der Anlage von Drogen- oder Diebesgutdepots stehen könnte, betätigte sich nicht. Wöchentliche Folgekontrollen zeigten bisher keine weiteren Auffälligkeiten.

Der Aufbruch eines bisher mit einer Steinwand verschlossenen Stollens an der Wupper brachte ein weiteres Winterquartier für Solingen zutage. Bei der Kontrolle des seit ca. einem 3/4 Jahr aufgebrochenen Stollens wurde Ende Januar 1999 eine Wasserfledermaus festgestellt. Verhandlungen über einen fledertiergerechten Verschluß dieses Stollens ziehen sich bisher hin, da der Eigentümer des Stollens noch nicht bereit ist, den Teil der Kosten zu übernehmen, die ihm die Verkehrssicherung des Stollens auferlegt. Da der Stollen Winterquartier einer Rote-Liste-Art ist, kann er nicht mehr einfach zu Minimalkosten mit einer LKW-Ladung Erde oder einer Beton-Plombe verschlossen, sondern muß in seinem Zustand so erhalten werden, daß die bedrohten Arten eine Überlebenschance behalten. Das Grünamt der Stadt Solingen hat inzwischen einen provisorischen Verschluß realisiert, bis die Frage der Finanzierung eines fledertiergerechten Verschlusses geklärt ist.

Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Kluterthöhle haben wir die Glüder- Stollen im Bereich des Rheinisch-Bergischen Kreises untersucht. Auch hier war der Verschluß des Stollens aufgebrochen.

b) Projekt Fledertierkastenkontrollen

Nachdem in den letzten Jahren Schweiß in Strömen geflossen ist, war dieses Jahr das Jahr der Freude und eine Bestätigung unseres realisierten Patenschafts- Konzeptes von Fledertierkästen in der Ohligser Heide.

Ende August 1999 kontrollierten wir erneut die Fledertierkästen der Patenschafts- Aktion des Jahres 1996. Im Bereich des Landschaftsschutzgebietes der Ohligser Heide konnten wir erstmalig in einem unserer Selbstbauholzkästen eine Gruppe von 4 Fledertieren mit Hilfe des Endoskops nachweisen. Durch die Verzerrung des Prismas am Ende der starren Endoskop-stange konnte eine exakte Bestimmung nicht durchgeführt werden. Wahrscheinlich handelt es sich um 4 Wasserfledermäuse. Einen zweiten Holzkasten fanden wir ebenfalls besetzt vor. Das Tier war größer als die vorigen und nach den Endoskopuntersuchungen handelt es sich vermutlich um einen großen Abendsegler.

Bemerkenswert bei den diesjährigen Untersuchungen war die bei einer ganzen Reihe von Holzbetonkästen feststellbare „untere Schicht", bestehend aus Fledertierkot, und eine „obere Schicht", bestehend aus einem verlassenen vermutlichem Meisennest oder einem abgebrochenen Nistversuch vermutlich einer Meise. Ein einzelner Holzbetonkasten war sogar in mühevoller Kleinarbeit von einem Kleiber zu seiner Behausung umgebaut worden. Generell kann festgestellt werden, daß dort, wo für Vögel viele Ersatzquartiere zur Verfügung stehen, der Druck auf die Fledertierkästen geringer war. Dort, wo es an künstlichen Quartieren für Vögel fehlt, kam es generell zu den „Doppelbelegungen" und dem Verdrängungseffekt der Fledertiere durch die mit Schnäbeln um ein Vielfaches wehrhafteren Vögel. Im Naturschutzgebiet Ohligser Heide sollte im Zusammenhang mit dem von der Biologischen Station Mittleren Wupper zu erarbeitenden Pflege- und Entwicklungsplan über eine Neuorientierung der Standorte der Fledertierkästen diskutiert werden, da in diesem Gebiet künstliche Einbringungen, wie Nistkästen für Vögel generell kritisch gesehen werden und eine flächenmäßige Anpassung der Fledertier- kastenstandorte an die zukünftig gewünschte Entwicklung stattfinden muß.

Kontrollgänge der im Lochbachtal und Demmeltratherbachtal befindlichen Kästen fanden Anfang 1999 statt.

c) Projekt Quartiersuche in Remscheid

Am 21.2.1999 fand eine ganztägige Suche nach Quartieren in Remscheid statt. Mit Unterstützung der ULB Remscheid besuchten wir eine Reihe alter Bunker und Stollenanlagen.

Die Nachforschungen über ein bekanntes Zwergfledermausquartier, das ca. 200 Individuen umfassen sollte, ergab bei der Familie, die es gemeldet hatte, daß dieses Quartier seit 2 Jahren erloschen ist. Ein von Naturschützeren aus Remscheid verschlossener Eingang konnte nur von außen kontrolliert werden, da eine Öffnung zwecks Kontrolle des Winterquartieres nicht vorgesehen war. Ein Stollen in der Verlängerung des Eschbachtales wurde vermüllt vorgefunden.

d) Projekt fledertiergerechter Stollenverschuß in Remscheid

Über die Sommermonate realisierten wir einen fledertiergerechten Verschluß eines Stollens in Remscheid, der unser Netz von gesicherten Stollen als geeignetes Winterquartier ideal ergänzt. Die ULB Remscheid ermöglichte durch die Finanzierung der benötigten Materialien, Verzinkung und Schweißarbeiten des Gitters die Realisierung der Arbeiten. Sämtliche anderen Arbeiten (Planung, Materialeinkauf und -transporte, Betonarbeiten und Montage) sind von uns ehrenamtlich erbracht worden. Anfang 2000 soll in einem Termin vor Ort interessierten Naturschützern der Region der Verschluß vorgestellt werden.

e) Projekt fledertiergerechter Ausbau einer Garage / Rheinisch Bergischer Kreis

Im September 1999 erhielten wir über email eine Bitte um Beratung zum fledertiergerechten Ausbau einer Garage in einem Neubaugebiet von Leichlingen, verbunden mit dem Hinweis, daß dort früher Fledertiere beobachtet wurden. Der alte Schlafplatz sei durch die Bauarbeiten in diesem Gebiet nicht mehr vorhanden und die Familie, die sich an uns wandte, wollte etwas für diese Tiere tun. Gemeinsam begutachteten wir die Möglichkeiten in einer einzeln stehenden Garage Einfluglöcher und Versteckmöglichkeiten für Fledertiere anzubringen.

f) Projekt Quartiersuche in Wuppertal

Mehrere Detektoreinsätze und Beratungen wurden von Frank Hamacher in Wuppertal bei der Familien Knapp und Trimborn durchgeführt.

g) Projekt Kastenaktionen in Solingen

Bedingt durch unsere bisherigen Aktionen in den einzelnen Stadt- und Landschaftsbereichen Solingens haben wir bei den dort wohnenen Mitbürgern Interesse am Fledertierschutz hervorgerufen und konnten so unser Netzwerk von günstig plazierten Fledertierkästen ausbauen.

Familie van Holt in Landwehr und Familie Schmitt in Schnittert stellten ihre Baumhöfe für den Fledertierschutz zur Verfügung.

h) Projekt Fledertierkastenbau

Die vom AKFSG unterstützte Ferien(s)pass- Aktion im Sommer 1999 wurde wie in den Vorjahren zur Herstellung einer ganzen Reihe von Fledertierkästen genutzt. Wiederum10 Kinder haben an 3 Tagen jeweils von 13.00 bis 17.00 Uhr fleißig beim Kastenbau mitgeholfen!

Im Rahmen der Agenda 21- Aktivitäten in Solingen fanden im Jahre 1999 ab dem Sommer die ersten Veranstaltungen der 2. Auflage der AGENDA-DETEKTIVE statt. Bis zum Sommer 2000 bieten wir 5 Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche in diesem Rahmen an, davon 3 Termine rund um den Fledertierkastenbau.

i) Projekt Fledertierrufanalyse:

Die Geschwister- Niehof- Stiftung ermöglichte uns gemeinsam mit einer Spende der NABU Solingen und einer Spende aus den USA in diesem Jahr die Anschaffung mehrerer kleinerer Ultraschall-Detektoren, die wir mit Kassetttentonbandgeräten koppeln wollen. Für das nächste Jahr sollen diese Einheiten am Fledertierschutz interessierten zur Verfügung gestellt werden, um festzustellen, ob in ihrer Umgebung Tiere fliegen. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wird eine gezieltere Beratung der Verwendung der Fledertierkästen und von anderen Schutzmaßnahmen ermöglicht.

j) Projekt Fledertier- Notruf

Der von uns seit Mai 1998 betriebene Fledertier- Notruf entwickelt sich rasant. Wir erhalten aus dem ganzen Bundesgebiet Anrufe mit der Bitte um Hilfe. Die permanente Nutzung dieses Notrufs zeigt, daß ein starkes Bedürfnis nach fachkundigem Rat vorhanden ist und wir in diesem Bereich eine vorhandene Lücke füllen. Unser Problem besteht darin, daß wir nur in unserer Region direkt aktiv werden können und in den anderen Fällen versuchen, Kontakte zu schaffen. Sinnvoll wäre hier eine bundesweite Liste von Ansprechpartnern. In Ansätzen gibt es sie in Form einer Liste auf der Internet-Seite von Lutz Rastätter und der Landesvertreterliste der Bundesarbeitsgruppe Fledermausschutz beim NABU.

k) Projekt INTERNET- Homepage des AKFSG und Multimedia- CD- ROM

Wir sind seit Januar 1998 mit einer eigenen Homepage im INTERNET vertreten. Der Umfang unserer Homepage ist inzwischen beachtlich und ist inzwischen unter der zentralen Internet-Adresse zu erreichen. Die einzelnen Seiten liegen auf einem Server bei Klaus Datentechnik (KDT) in Wuppertal unter der Adresse wobei KDT uns den Speicherplatz für diese Seiten kostenlos zur Verfügung stellt.

Ein umfangreicher Informationsaustausch hat sich über unsere email ergeben. Dadurch, daß wir über mehrere Adressen und Suchbegriffe im Internet erreichbar sind, erhalten wir aus dem gesamten deutschsprachigen Raum Anfragen und Hinweise. Nach unseren zeitlichen Möglichkeiten bemühen wir uns, sämtliche Wünsche auf Informationen u.ä. zu erfüllen. Da wir ein kleiner Verein mit geringen finanziellen Möglichkeiten sind, kann nicht jeder Wunsch erfüllt werden (z.B. klassensatzweise Kopien über Informationen zum Fledertierschutz). In diesen Fällen verweisen wir auf unsere Multimedia- CD, die wir zum Selbstkostenpreis für das OFFLINE- Surfen anbieten. Im Jahre 1999 wurde dieses Angebot in immer größerem Maße angenommen und die Methode, die Summe (CD-Kosten+Porto+Verpackung) versehen mit der Adresse auf unser Konto zu überweisen, hat sich bewährt.

Während der Aktivitäten des Jahres 1999 haben wir verstärkt Photos in Stereoskopie aufgenommen und kleine Videofilme erstellt, die im Laufe des Jahres 2000 digitalisiert und über die Homepage veröffentlicht werden sollen.

Seit sich 1999 die anderen Solinger Naturschutzvereine (BUND, NABU und RBN) ebenfalls entschlossen haben, gemeinsam mit uns und der Biologischen Station Mittlere Wupper ein gemeinsames Dach für eine Internet- Präsenz aufzubauen, sind wir auch unter der Adresse zu erreichen. Die Seiten der anderen Vereine und der Bio-Station veröffentlichen wir ebenfalls auf unserer Multimedia-CD, so daß von uns ein vollständiges Bild über den ehrenamtlichen Natur- und Artenschutz in Solingen dargestellt wird.

l) Projekt Öffentlichkeitsarbeit

Vorträge, Nachtwanderungen und praktische Schutzaktivitäten sind neben unserer Multimedia- CD Möglichkeiten, Mitbürger für den Fledertierschutz zu interessieren und zu aktivieren.

Am 30.6.1999 wurde ein Diavortrag und eine Fledermaus-Nachtwanderung in der Ohligser Heide für „WIR IN DER HASSELDELLE" gehalten und geführt von Frank Hamacher.

Im Rahmen des Ferien(s)paß und der Agenda-Detektive fanden im August und September Fledermaus- Nachtwanderungen statt. Über eine der Nachtwanderungen wurde im Solinger Tageblatt berichtet. Ebenso fand ein Appell an die Respektierung der Verschlüsse der Stollen Anfang 1999 ihren Niederschlag in einem Artikel im Solinger Tageblatt.

Am 4.9.1999, Tag der offenen Tür der Biologischen Station Mittlere Wupper, hielt Annette Pötzsch im Begleitprogramm einen Vortrag über Fledertiere .

Eine 3D- Diashow des AKFSG über den Fledertierschutz in Solingen im November 1999 mit ca. 50 Interessierten fand im Rahmen der Monatsversammlungen der Naturschutzverbände in den Räumlichkeiten der Biologischen Station Mittlere Wupper statt.

Der Agenda- Tag 1999 (früher Umweltschutztag) der Stadt Solingen auf dem Fronhof war eine weitere Möglichkeit, im Rahmen der regionalen Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten den Umweltschutz vor Ort zu unterstützen.

m) Zusammenarbeit im Fledertierschutz

Auf Landesebene in NRW besuchten wir das Jahrestreffen 1999 des Landesfachausschuß Fledermausschutz NW im NABU am 13.11.1999 in Münster und auf Bundesebene die 4. Fachtagung der Bundesarbeitsgruppe Fledermausschutz beim NABU im September 1999 in Gießen.

Für den Vorstand

Helmut Pötzsch, Vorsitzender