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Fledermaus-Schutz

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Arbeitskreis Fledertierschutz Solingen e.V. AKFSG

Haaranalyse von Fledertieren

von : Dr. Henrike Körber, Wermelskirchen / Düren

Bei den Wirbeltieren besitzen nur die Säugetiere Haare. Sie dienen zur Thermoregulation, als Strahlenschutz und haben Tast- , Schmuck- und Tarnwert.

Haar (verändert nach Digel et al.1981):

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Haare entstehen aus der äußeren Epidermisschicht. Man unterscheidet den über die Epidermis hinausragenden Haarschaft und die in einer grubenförmigen Einsenkung, dem Haarbalg, steckende Haarwurzel. An ihrem Ende ist sie zwiebelförmig verdickt und von Cutispapillen umspannt. Sie sind das eigentliche Versorgungssystem des Haares, während das Haar selbst aus toten Epithelzellen besteht.

Längsschnitt durch ein Haar (Benedict 1957):

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Das Haar besteht aus drei Schichten: der Cuticula, dem Cortex und der Medulla.

Die Cuticula als äußerste Schicht besteht aus dünnen keratinhaltigen Schuppen, die in enger Verbindung mit dem Cortex stehen und das Haarfilament gegen die Follikelwand abtrennen. Der Cortex ist lichtmikroskopisch eine homogene Struktur eingeschrumpelter Zellen. Die innerste Schicht, Medulla, besteht aus zusammengefallenen nur locker verbunden Zellen unregelmäßiger Gestalt. Sie bildet zusammen mit den Lufträumen und Vacuolen die Zentralachse des Haares.

Das eigentliche Unterscheidungsmerkmal der Haare bildet die Schuppenstruktur der Cuticula. Benedict (1957) hat sich eingehend mit diesem Thema beschäftigt und für amerikanische Arten etliche Merkmale herausgearbeitet. Die Schuppenstrukturen hat er dabei grob in zwei Kategorien eingeteilt:

1 .Typ A: Schuppen, die die gesamte Haarachse umschließen und dann wie Becherstapel ineinandergesteckt sind.

Einfacher Schuppenstrukturtyp A (benedict 1957):

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2. Typ B: Schuppen, die mit zwei oder mehr Schuppen die Haarachse umschließen und dann regelmäßig in einer oder verschiedenen Ebenen an der Achse hochwachsen.

Komplexer Schuppenstrukturtyp B (Benedict 1957):

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Die Abbildungen zeigen deutlich, welchen enormen Variantenreichtum diese beiden Grundtypen bieten.

Neben diesen Grundvananten kann jede einzelne Schuppe Variationen ihrer Rand- und Oberflächenstruktur aufweisen.

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Allgemein anerkannt ist eine Unterscheidung der Haare in starres Oberhaar und weiches dünnes welliges Unterhaar. Dabei ist Benedict (1957) der Meinung, daß die Haarschuppenstruktur bei Fledermäusen bis auf spezielle Regionen, wie z.B. die Drüsen über das gesamte Haarkleid uniform ist.

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Teerink (1991) stellt dazu allerdings fest, daß die Größe und Gestalt der Schuppen je nach Lage auf dem Haar variiert. So findet er an der Haarspitze kleine Schuppen, in der Mitte sind sie erheblich größer und an der Haarbasis finden sich einfache, zwischen den Arten nicht unterscheidbare Schuppen.

Methode

Fledermaushaare wurden nach der Entnahme soweit möglich einzeln auf einem Objektträger präpariert und mit einem Deckglas und Nagellack im Luftraum fixiert.

Alle Arten von Haaren sind brauchbar, da die Haare offensichtlich sehr widerstandsfähig sind. Weder Alkohol (bei Präparaten) noch von Magensäfte (bei aus dem Kot präparierten Haaren) verändern die Schuppenstruktur.

Die Präparate wurden dann unter einem Lichtmikroskop mit 400-1000 facher Vergrößerung (Ölimmersionsobjektiv) analysiert.

Ergebnisse

Benedict (1957) hatte in seinen Untersuchungen bereits festgestellt, daß die Fledermäuse der Familie Vespertilinoidae (Glattnasen) keine Medulla besitzen. Dieser Befund konnte bestätigt werden. Für den Untersucher von Kot bedeutet dies eine enorme Erleichterung, weil die herauspräparierten Haare damit eindeutig von normalen Kleinsäugerhaaren zu unterscheiden sind.

Alle Haare können auf ihrer Gesamtlänge in drei Abschnitte eingeteilt werden.

Die Haarbasis hat einen verdickten Schaft (bei abgeschnittenen Haaren nicht vorhanden) und im unteren Drittel eine oft gut differenzierbar Mikrostruktur. Die Haarmitte ist deutlich verdickt. Durch das Zusammenrutschen/drücken der Schuppen und die zunehmende Pigmentierung ist die Grundstruktur nicht mehr identifizierbar. An der dünnen Haarspitze wird mit abnehmneder Pigmentierung erneut eine Grundstruktur sichtbar. Betrachtet man mehrere Haare einer Fledermaus nebeneinander ergibt sich auf den ersten Blick eine verwirrende Vielfalt von Strukturen.

Die Interpretation eines solchen Bildes ist besonders schwierig, weil das lichtmikroskopische Bild nur einen zweidimensionalen Eindruck einer hochkomplexen dreidimensionalen Struktur widerspiegelt. Je nach Lage und Verdrillung der Haarachse kann ein völlig verzerrtes Bild einer ansich geordneten Struktur entstehen.

(...Es) kristallisierten sich einige Merkmale heraus, die eine Zuordnung zu einzelnen Fle- dermausgattungen z.T. sogar zu Arten erlauben. So ist es eindeutig, daß Fledermäuse der Gattung Pipistrellus am oberen Rand der Schuppen ,,Zähnchen" tragen. Dies entspricht auch der in Schober und Grimmberger (1992) abgebildeten Zeichnung einer Rasterelektronenmikroskopaufnahme. Aufnahmen in dem Haaratlas von Teerink (1991) zeigen, daß dies auch für die Gattung Eptesicus und Nyctalus gilt. Bei Nyctalus noctula konnte eine offensichtlich eigene Schuppenstruktur festgestellt werden. Es ist ein mehr- und ungleichmäßig zipfliger Becher, der stapelweise ineinandergesteckt und dabei leicht gedreht wird. Bei Plecotus gibt es auffällige Bereiche eng ineinandergesteckter Halbbecher.

-Literaturhinweise unter                    :       Literaturliste

Auszug (mit freundlicher Genehmigung der Autoren und Herausgeber) aus der Veröffentlichung, sämtliche Rechte vorbehalten:

Dr. Henrike und Holger Körber, Andrea Will, Gerhard Hilverkus: Bestandsaufnahme der Fledermäuse im Raum Wermelskirchen (Bergisches Land), 1995